News 2020 – 2022

  • 27. Oktober 2022: ein neuer Termin für die Registrierung des Weinbergs! Die israelische Militärbehörde lädt für diesen Tag alle möglichen Konfliktparteien zur Verhandlung über die Registrierung des Grundstücks ein. Ausser berechtigten und schon immer gewährten Wegrechten gibt es nach Ansicht von Daoud Nassar keine rechtlich begründeten Hindernisse, die vom Obersten Gericht längstens verfügte Registrierung endlich zu vollziehen.
  • Termin zur Gerichtsverhandlung wieder verschoben! Daoud Nassar hat es schon vor Wochen prophezeit, trotzdem haben wir alle gehofft, diesmal werde der angesagte Termin vom 2. Mai eingehalten. Doch nur einen Tag vorher, am 1. Mai, kam die Meldung von der israelischen Militärverwaltung, die Verhandlung werde vertagt auf unbestimmte Zeit. Grund: Ramadan! Die Frustration ist gross, doch Daoud schreibt dazu: In der Zwischenzeit empfangen wir weiterhin internationale Besucher und Freiwillige, bewirtschaften das Land, pflanzen neue Bäume der Hoffnung und laden weitere Menschen ein, uns auf diesem langen Weg für Gerechtigkeit zu begleiten. So sei es!
  • Lage Ende Februar: Daoud arbeitet wieder auf dem Weinberg; sein Bruder Daher dagegen ist noch schwer beeinträchtigt von den Folgen des Angriffs aufs Leben der beiden. Bei der Arbeit wird Daoud oft von Aktivist*innen von EAPPI begleitet. Das ist das «Ecumenical Accompaniment Program for Palestine and Israel», das in konfliktträchtigen Situationen exponierte Personen begleitet.
  • Samstag, 19. Februar: grosse Pressekonferenz auf dem Weinberg. Eingeladen hatte der Minister für kirchliche Angelegenheiten der Palästinensischen Autonomiebehörde. Der sehr kurzfristigen Einladung folgte viel Prominenz – der Governor von Bethlehem, Bischöfe, Pfarrer und auch die Vertreter*innen von Frankreich, England und Deutschland. Der Bürgermeister von Nahalin hielt eine schöne Rede und betonte, wie wichtig der Weinberg für sein Dorf sei. Danach folgten einige positive Artikel in der lokalen Presse.
  • Es scheint, dass der Überfall auf Daher und Daoud viel Druck auf die Behörden ausgelöst hat. Sie müssen nun etwas tun. Vor allem müssen die Schuldigen der Angriffe, Zerstörungen und Diebstähle endlich gefasst und vor Gericht gestellt werden.
Viel politische und kirchliche Prominenz trifft sich auf dem Weinberg am 19. Februar.
  • Am Freitag, 28. Januar 2022, erreichten die Angriffe auf den Weinberg eine neue Eskalationsstufe. Nachdem bereits schon einmal Toni Nassar samt Mutter und Familie im Auto tätlich bedroht wurden, griff diesmal eine Bande von ca. 15 vermummten Männern mit Knüppeln und Messern die beiden Brüder bei der Arbeit an und verprügelte und verletzte sie schwer. “Sie wollten uns töten…”, vermutet Daoud. Die Täter zogen ab, als die niederländische Freiwillige auftauchte, die zum Essen rufen wollte. Im Spital stellte sich heraus, dass die beiden schwere Schädel-Hirntraumata erlitten hatten. Immerhin haben die Gewalttaten nun die Politik auf den Plan gerufen. Präsident Abbas persönlich hat interveniert und die örtlichen Justizbehörden ermahnt. Und auch die Botschafter der Schweiz und der EU in Palästina zeigten sich schockiert und betroffen.
  • Facebookommentar von Bshara, Sohn von Daher zum versuchten Mord an seinem Vater
Eine Welle der Solidarität für die Gebrüder Nassar: ein deutscher Diplomat besucht Toni, Daoud und Daher Nassar nach dem Überfall vom 28. Januar im Spital. (Bild Maghtas.com)

  • Am 16. Januar 2022 fand endlich eine lang erwartete, zweimal verschobene Verhandlung mit der Militärverwaltung über die vom obersten Gericht verfügte Registrierung des Weinbergs statt. Sie verlief ergebnislos, doch die nächste Sitzung am 2. Mai soll zu einem Entscheid führen. Die Einsprecher, zu denen auch die besagte Familie aus Nahalin gehört, müssen bis dann ihre Ansprüche mit Dokumenten belegen. Man kann gespannt sein.
  • Eine Familie aus Nahalin erhebt Anspruch auf Teile des Weinbergs. Sie behauptet, Beweise für ihre Besitzansprüche vorlegen zu können, hat einen Anwalt engagiert. Sie hat auch bereits begonnen, Land einzuzäunen und zu bearbeiten. Ob sie auch für die Angriffe und Verwüstungen verantwortlich ist, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, da die Täter oft nicht gesehen werden und in der Regel vermummt kommen.
  • Auch in der zweiten Jahreshälfte 2021 wurden immer wieder Zerstörungen verübt. Und auch im neuen Jahr gehen die Vandalenakte weiter. Erst kürzlich, im Januar, kamen Daoud und Daher auf dem Weinberg an und stiessen auf 50 umgehauene Olivenbäume. Es ist zum Verzweifeln. Daoud zeigt alle Übergriffe sofort auf der Polizei in Bethlehem an; doch die Ermittlungen gehen schleppend voran. Irgendwo scheint Sand im Getriebe zu sein…
  • Über die vergangenen Monate haben immer wieder Übergriffe von Leuten aus Nahalin aufs Land stattgefunden. Bereits sind Einrichtungen im Wert von Tausenden von Dollars zerstört worden. Weil wegen Corona keine internationalen Freiwilligen mehr auf dem Weinberg arbeiten und übernachten, ist das Gelände oft unbewacht. Das nützen die Eindringlinge aus. Die Familie Nassar ist deswegen in grosser Sorge.
  • Am 9. Juni 2021 drangen bewaffnete Soldaten und vermummte Männer ein und gingen daran, mit einem Bulldozer und Kettensägen den verschonten Rest der Olivenbäume des Weinbergs und auch im Hain eines Nachbarn zu roden. Daoud Nassar trat ihnen entgegen, verbot ihnen den Zutritt; doch sie setzten ihr Zerstörungswerk fort. Der Anwalt der Familie Nassar wandte sich sofort ans Höchste Gericht Israels, um eine Verfügung gegen die Täter zu erwirken. Die Lage ist sehr ernst. Es könnte sein, dass bald im Tal unterhalb des Weinbergs die ersten Container stehen – der Anfang einer neuen Siedlung!
  • Am 21. Mai 2021 wurde ein grosser Teil des Weinbergs in Brand gesetzt. Zahlreiche Olivenbäume, Fruchtbäume, Weinstöcke fielen den Flammen zum Opfer, die durch Wind aus dem Tal rasch den Berg hinauf getrieben wurden. Glücklicherweise wehte oben auf der Höhe ein Wind in der Gegenrichtung; und so blieben die Wohneinrichtungen verschont. Die bescheidenen Kräfte der Menschen und die kostbaren Wasservorräte auf dem Berg konnten gegen das Feuer jedoch nichts ausrichten. Gross war dafür die Solidarität der palästinensischen Nachbar*innen. Von allen Seiten kamen sie mit Kesseln und Schläuchen. Selbst die israelische Feuerwehr erschien. Sie griff aber nicht ein, wollte offenbar nur ein Übergreifen des Feuers auf die benachbarte israelische Siedlung verhindern. Offensichtlich war es ein gelegtes Feuer; doch die Täterschaft ist bis jetzt unbekannt.
  • Mehr denn je ist der Druck aus dem Ausland notwendig. Unser Verein hat sich zusammen mit dem Synodalrat der Reformierten Kirche Bern, der Einwohner-gemeinde Wohlen BE und der Kirchgemeinde Wohlen BE mit einer Petition an Präsident Mahmoud Abbas gewandt und ihn gebeten, sich um eine Lösung des Konflikts zu kümmern. Am Donnerstag, 2. Mai, erhielt der Weinberg hohen Besuch. Der offizielle Vertreter der Schweiz für Palästina, Herr Viktor Vavricka, wollte sich auf unsere Veranlassung hin ein Bild von «Tent of Nations» machen und fuhr mit einer Delegation von sechs Leuten an. Gemäss dem Bericht von Daoud Nassar fand ein sehr guter und ermutigender Austausch statt. Auch die Vertretungen anderer EU-Länder setzen sich für den Weinberg und dessen Registrierung ein.
  • Im Juli 2020 genehmigte die israelische Militärverwaltung endlich die Registrierung des Weinbergs, die vom israelischen Supreme Court schon längst gefordert worden war. Bedingung war, dass alle Nachbarn mit ihrer Unterschrift den Grenzverlauf bestätigten. Gleich darauf organisierten Nassars die Begehung der Grenze mit allen Nachbarn. Diese endete einvernehmlich mit sämtlichen Unterschriften. Doch am nächsten Tag liess der Bürgermeister von Nahalin verlauten, dass er gegen die Registrierung des Weinbergs sei. Und die Militärverwaltung liess nichts mehr von sich hören, bis der Anwalt der Familie Nassar beim Supreme Court im September 2021 Beschwerde einreichte. Das hat etwas Wirkung gezeigt: drei Tage danach kündigte die Militär-behörde eine Sitzung für Dezember 2021 an.
  • Wegen Corona haben unsererseits mehr als zwei Jahre lang keine Besuche auf dem Weinberg stattgefunden. Die letzte Besucher*innen, von denen wir wissen, waren die Teilnehmer*innen der Konzerttournée «Music for Peace» von Wohlen BE und Frick AG am 2. Januar 2020 bei sehr kaltem Wetter und scharfem Wind. Doch die warme Gastfreundschaft der Nassars hat die Sänger*innen dafür längstens entschädigt; und der Vortrag von Daoud in der Höhle hat alle tief beeindruckt. (S. Fotogalerie der Konzerttournée)

Die Besuchswoche 2021 konnte wieder nicht stattfinden! Stattdessen hat Daoud an der Jahresversammlung am 25. September 2021 per Video zu uns geredet. Solche Video-Treffen sind auch bei andern Gelegenheiten möglich. Wer für seine Schul- oder Konfirmand*innenklasse, für eine Veranstaltung der Erwachsenenbildung oder einen Gottesdienst mit Daoud Nassar ein solches Gespräch organisieren möchte, kann sich mit uns oder direkt mit Daoud in Verbindung setzen.